Integrationsdezernentin Sylvia Weber

Grußbotschaft an alle Bahá’í

Das Bahá’í Haus der Andacht in Hofheim-Langenhain (© picture-alliance)

Am 18. und 19. Oktober feiern die Bahá’í weltweit die Geburtstage des Báb und des Bahá‘u’lláhs. Bahá‘u’lláh ist der Stifter des Bahá’í-Glaubens und wurde zuvor vom Báb ("das Tor") angekündigt. Das Bahá’ítum entstand im 19. Jahrhundert und entwickelte sich in weniger als 200 Jahren zu einer Weltreligion mit Gläubigen auf alle Erdteilen.

Die Geschichte der Bahá’í-Gemeinschaft ist auch eine Geschichte von Ausgrenzung und Verfolgung, auch in Europa. 1937 wurde die Bahá’í-Gemeinschaft von den Nationalsozialisten verboten. In der DDR war die freie Religionsausübung ebenso nicht möglich – auch dort war sie verboten. Die Bahá’í-Gemeinschaft teilt also die Geschichte dieses Landes. Umso erfreulicher ist es, dass die Gemeinde in Frankfurt sich nach 1945 wieder neuformiert hat; 1964 wurde das Europäische Haus der Andacht ganz in der Nähe Frankfurts in Hofheim-Langenhain errichtet. Dieser Bahá‘í-Tempel ist nicht nur architektonisch mit seiner Kuppelbauweise und seinem Lichteinfall einzigartig; er ist offen für alle Menschen – für Gebete, Mediation oder interreligiöse Lesungen und damit ein besonderer Ort der Begegnung. 

Die Bahá’í-Gemeinschaft ist im Vergleich mit anderen Religionen eine kleine Religionsgemeinschaft und doch eine Weltreligion. "Lasst euren Blick weltumfassend sein, anstatt ihn auf euer Selbst zu beschränken", sagte der Stifter Bahá’u’lláh. Und so hat die Bahái-Gemeinschaft vieles im Blick, im Großen wie im Kleinen. Sie betrachten die Entwicklung als ein globales Anliegen – mit dem Ziel, allen Menschen und Völkern Wohlstand und Gerechtigkeit zu bringen.

Bahá’í Haus der Andacht

In Hofheim-Langenhain, ca. 27 km von Frankfurt entfernt, befindet sich das einzige Bahá’í Haus der Andacht in Europa. Jeden Sonntag findet eine Andacht mit Lesungen aus den Bahá’í- und den heiligen Schriften anderer Religionen statt. Zugleich ist das Haus ein Ort der Begegnung.

Vielfältige Beiträge für ein soziales Miteinander

Die Überwindung sozialer Unterschiede, der Einsatz für kulturellen und sozialen Fortschritt ist bereits in den Heiligen Schriften angelegt – in denen es sinngemäß heißt, dass alle Menschen erschaffen (wurden), eine ständig fortschreitende Kultur voranzutragen und daran mitzuwirken. Der Stifter Bahá’u’lláh formulierte dazu die Aufforderung: "Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen." Das zeigt auch das Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft. Die heiligen Schriften formulieren Tugenden und Perspektiven, die für uns alle im täglichen Zusammenleben und Nachdenken über die Gegenwart und die Zukunft von Bedeutung sein können, so Sylvia Weber. 

Und dieses Verantwortungsgefühl wurde auch jetzt in der Pandemie sehr deutlich, beispielsweise durch die Jugendgruppen und ihr Engagement und Dienst in der Nachbarschaft und generell für die Gemeinschaft. Und auch Sie, Ihre Gemeinschaft und Mitglieder blieben nicht von Corona und den damit verbundenen Auswirkungen verschont.

Andachten, Meditationen und Führungen konnten plötzlich nicht mehr stattfinden. Veranstaltungen und Projekte standen in Frage. Sie mussten reagieren auf die neuen Herausforderungen. Sie haben – nahezu von heute auf morgen – vieles umgestellt, von analog auf digital oder die Nutzung Ihrer Räumlichkeiten den Vorschriften angepasst. 
Das verdient Respekt und Anerkennung – für Ihr Engagement in dieser schwierigen Zeit im Besonderen sowie generell für ihre vielfältigen Beiträge für ein konstruktives und soziales Miteinander in unserer vielfältigen Stadtgesellschaft in den letzten Jahren!

Ich wünsche Ihnen allen – auch unter den besonderen Bedingungen – schöne und besinnliche Festtage.